Mein Name ist Herbert Hanns, Jahrgang 1925. Ich bin verheiratet und habe eine Tochter. Nach der Volksschule begann ich eine Lehre von dreieinhalb Jahren und wurde Werkzeugmacher. Dann ereilte mich das Schicksal, ich musste in den Krieg und kam in Gefangenschaft. Als ich 1948 zurück nach Dresden kam, arbeitete ich wieder als Werkzeugmacher, aber die Folgen des Krieges und der Gefangenschaft blieben nicht aus, 1981 wurde ich arbeitsunfähig und invalidisiert. Das war der Beginn umfangreicher Überlegungen: Wie sollte mein Leben weiter gehen? Nur Lesen, Rätseln, Stillsitzen, das war es nicht. Als Werkzeugmacher hatte ich viel mit genauen Maßen und Winkeln zu tun, auch mit Knobeleien beim Anfertigen kleiner Werkzeugteile, dies kam mir nun zugute. Zunächst begann ich mit Laubsägearbeiten. Als ich eines Tages meine Frau und ihre Freundin sticken sah, kam mir die Idee, das versuchst du auch. Nach zögerlichen Anfängen ging es immer besser. Entsprechend der Größe der Bilder baute ich Rahmen, damit sich die Gobelinarbeiten nicht verziehen. Im Jahr 2000 wurde ich schwer krank. Bettlägerisch zog ich gemeinsam mit meiner Frau im Juli 2001 ins AWO Pflegewohnheim Cossebaude. Durch die intensive Pflege konnte ich später wieder sitzen. Auch die Finger wieder zu bewegen, war anfangs nicht einfach, aber ich habe es gepackt. Meiner Familie und auch dem Pflegepersonal konnte ich wohl kaum eine größere Freude bereiten, als die Frage nach einer Stickarbeit. Zuerst waren es nur wenige Stiche am Tag, denn Gobelinstickerei erfordert Genauigkeit und Konzentration. Das erste vollendete Bild war ein Riesenerfolg für alle. Um die Finger zu kräftigen, begann ich später mit dem Knüpfen von Kissenbezügen und Teppichbrücken und erlernte auch das Weben. Was auf diesem Wege entstanden ist, können Sie im AWO Seniorenzentrum Prof. Rainer Fetscher sehen.
Herbert Hanns
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