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100 Jahre AWO

Seit 20 Jahren in Dresden: Prävention sexualisierter Gewalt durch AWO Fachstelle „Shukura“

Prävention ist eine Investition in die Zukunft – unter diesem Motto feiert die AWO Fachstelle zur Prävention sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen „Shukura“ am 4.4.2019 ihr 20-jähriges Bestehen.

Zu den Gästen der Festveranstaltung gehört der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig: „20 Jahre Shukura sind ein toller Erfolg! Ich danke dem Team von Shukura und der AWO, dass mit ihrem Engagement in den vergangenen Jahren ein stabiles und dauerhaftes Beratungsangebot in Sachsen geschaffen werden konnte. Missbrauch ist ein Querschnittsthema, das wir nur gemeinsam, eng vernetzt und in kontinuierlichem Austausch bewältigen können, auf Bundes- wie auf Landesebene. Ich wünsche mir deshalb sehr, dass alle Landesregierungen bei sich Landesmissbrauchsbeauftragte benennen, die sich auf regionaler Ebene für den Kinderschutz und die bessere Versorgung von Betroffenen vor Ort einsetzen. Das wünsche ich mir auch für Sachsen.“

Ein Fachreferat zum Thema „Prävention ist eine Investition in die Zukunft“ hält Frau Professorin Barbara Kavemann, Sozialwissenschaftliches Forschungsinstitut zu Geschlechterfragen.

Missbrauchsfälle, die öffentlich werden, machen immer wieder in erschütternder Weise deutlich, dass im Kampf gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ein großer gesellschaftlicher Handlungsbedarf besteht. Laut Europäischem Bericht über die Prävention von Kindesmisshandlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2017 muss davon ausgegangen werden, dass in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder von sexuellem Missbrauch betroffen sind - bittere Realität, die das Leben der Betroffenen maßgeblich beeinflusst.

Mädchen und Jungen haben das Recht, sicher und geschützt vor Gewalt aufzuwachsen. Die auf Prävention vor sexualisierter Gewalt spezialisierte Fachstelle „Shukura“ in Trägerschaft der AWO Kinder- und Jugendhilfe gemeinnützige GmbH entwickelte dafür ein breites Portfolio:

  • Angebote für Kinder und Jugendliche, darunter die Präventionsprogramme „Mein Körper gehört mir“ und „Respekt - dein Körper gehört dir“, das Theaterstück „Hau ab du Angst!“ und das Klassenzimmerstück „Out - Gefangen im Netz“
  • Informationsveranstaltungen für Eltern und Bezugspersonen zu Themen wie
    „Sexueller Missbrauch - Wie können Eltern ihre Kinder schützen?“, „Kindliche Sexualität - Wie
    können Eltern ihre Kinder begleiten?“, „Sexualisierte Gewalt im Internet“
  • Fall- und Fachberatungen
  • Fortbildungen für Fachkräfte und Multiplikatoren

Jährlich arbeitet die AWO Fachstelle mit mehr als 1.000 Kindern und Jugendlichen, ca. 500 Eltern und inzwischen ca. 1.000 pädagogischen Fachkräften.

„Als wir im Jahr 2000 das Theaterstück ‚Hau ab, du Angst!‘ nach Dresden holten, gab es jede Menge Vorbehalte, ob man Kinder mit so einem schwierigen Thema konfrontieren sollte“, so Heike Mann, Leiterin der AWO Fachstelle „Shukura“. „Inzwischen sind die Veranstaltungen schon Monate im Voraus ausgebucht, weil die Dresdner Schulen dieses und andere Angebote von ‚Shukura‘ unbedingt nutzen wollen.“

Institutionen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, stehen in der Verantwortung, sichere Orte zu schaffen. Dazu gehören Kitas, Schulen, Internate, Jugendhilfeeinrichtungen, Sportvereine, Kirchengemeinden und andere. Zudem sollen Mädchen und Jungen durch kompetente Ansprechpartner Hilfe finden, wenn ihnen dort oder andernorts – beispielsweise im familiären Umfeld – sexuelle Gewalt angetan wird. In der Arbeit der Fachstelle zeigt sich, dass Institutionen diese Verantwortung heute viel stärker wahrnehmen als vor zwanzig Jahren. Die Problematik sexualisierter Gewalt durch Mitarbeitende wird zunehmend wahr- und ernstgenommen.

Institutionen bei der Entwicklung von Schutzkonzepten zu begleiten, darin besteht ein Arbeitsschwerpunkt der AWO Fachstelle zur Prävention sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen „Shukura“. Ein Schutz-konzept zu entwickeln und als Unternehmenskultur zu leben, dafür gehört zunächst einmal alles auf den Prüfstand. Eine komplexe Risikoanalyse legt offen, wo die „verletzlichen“ Stellen einer Institution liegen – sei es im Umgang mit Nähe und Distanz, im Einstellungsverfahren, im baulichen oder in anderen Bereichen. Aus dieser Analyse heraus werden konzeptionelle und strukturelle Regularien im Sinne des Kinderschutzes entwickelt und in die alltäglichen Abläufe integriert und evaluiert. Die Fachstelle bringt in diesen komplexen Prozess das spezifische Fachwissen und die Methodik ein und gewährleistet, Betriebs-blindheit und damit verbundenen Auslassungen zu verhindern und interne Dynamiken zu erkennen. Verschiedene Institutionen hat die Fachstelle auch bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt durch Mitarbeitende unterstützt. Die Dresdner Parkeisenbahn gehörte dazu.

Die Anfragen an die AWO Fachstelle „Shukura“ für die Begleitung bei Schutzkonzepten, für Präventions-angebote, Fortbildungen, Fall- und Fachberatungen sind stark im Anstieg und kommen längst nicht mehr nur aus Dresden.

Bereits in zwei Bundesmodellprojekten - „Bundesweite Fortbildungsoffensive 2010-2014“ und aktuell „Beraten & Stärken 2015-2020“ - wirkte die AWO Fachstelle „Shukura“ umfänglich als Fachberatungs-stelle mit. In beiden Projekten wurden und werden Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und Einrichtungen, in den Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen betreut werden, dabei unterstützt, ihre Angebote und Organisationsstruktur so zu gestalten, dass sie auf den Schutz vor sexualisierter Gewalt ausgerichtet sind und dass betroffene Mädchen und Jungen Unterstützung erhalten. In Fortbildungen, Beratungen zu Organisationsentwicklung und Präventionsveranstaltungen vermittelt die Fachstelle das Knowhow dafür.

Aus der Arbeit der AWO Fachstelle „Shukura“ im Jahr 2018

Angebote für Kinder und Jugendliche

  • 566 Kinder von der dritten bis zur sechsten Klasse erlebten ein Präventionsprogramm: „Mein Körper gehört mir“ und „Respekt - dein Körper gehört dir“
  • 485 Kinder bis zur vierten Klasse sahen das Theaterstück „Hau ab du Angst!“
  • 191 Jugendliche ab der siebten Klasse sahen das Klassenzimmerstück „Out - Gefangen im Netz“

Angebote für Eltern und Bezugspersonen

  • 483 Eltern und Bezugspersonen nahmen an 21 Informationsveranstaltungen teil
  • Themen: „Sexueller Missbrauch - Wie können Eltern ihre Kinder schützen?“ und
  • „Kindliche Sexualität - Wie können Eltern ihre Kinder begleiten?“
  • diese Veranstaltungen fanden in Grundschulen, Kitas, weiterführenden Schulen und anderen
    Einrichtungen statt

Beratungen für Fachkräfte

  • Fall- und Fachberatungen für 151 Fachkräfte
  • in 44 von 76 Beratungen wirkten die Mitarbeiterinnen von „Shukura“ als insoweit erfahrene Fachkraft nach § 8a SGB VIII
  • 50 Prozent der Fallberatungen beinhalteten das Thema (Verdacht auf) sexuellen Missbrauch im persönlichen Umfeld, 7 Prozent sexuellen Missbrauch durch pädagogische Fachkräfte, 23 Prozent sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen sowie 20 Prozent andere Formen von Kindeswohlgefährdung
  • Beratungen für Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamts nahmen 25 Prozent aller Fallberatungen ein und haben sich damit im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt

Fortbildungen

  • in 58 Fortbildungsveranstaltungen in Teams und offenen Gruppen wurden 819 Fachkräfte der
    Kinder- und Jugendhilfe und Multiplikatoren zum Themenbereich „Sexualisierte Gewalt“
    fortgebildet.
  • Institutionen wurden in mehrtägigen Veranstaltungen bei der Erarbeitung eines Schutzkonzepts bzw. einzelner Bestandteile unterstützt

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