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Zur Geschichte

Die Werkstatt in der Tradition von Dr. Pienitz

Auf dem Sonnenstein in Pirna wurde 1811 die Königlich Sächsische Heil- und Pflegeanstalt als eine der ersten psychiatrischen Einrichtungen in Deutschland gegründet. Dr. Ernst Gottlob Pienitz wirkte hier als Wegbereiter offener Betreuungsformen. Er entwickelte ein fortschrittliches psychiatrisches Behandlungskonzept, wonach - den Neigungen und Fähigkeiten der Patienten folgend - Arbeit und Beschäftigung unter therapeutischen Gesichtspunkten eingesetzt wurden. Der ausgedehnte Garten, mehrere Werkstätten und Wirtschaftseinrichtungen boten dafür vielfältige Möglichkeiten. Die Heilerfolge waren für die damalige Zeit außergewöhnlich, verdienstvoll auch das Bemühen um die soziale Reintegration entlassener Patienten. Die Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein erwarb sich nationalen und internationalen Ruf als reformpsychiatrische Einrichtung.

In dieser Tradition sehen wir unsere moderne Einrichtung heute am selben Ort.

1939 wurde die Einrichtung geschlossen. In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft erfuhr der Sonnenstein ein grauenvolles Kapitel. In den Jahren 1940/41 wurden hier 13.720 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen umgebracht. Nach dem Sitz der Kommandozentrale auf der Berliner Tiergartenstraße 4 benannt, lief die Massenvernichtung Kranker und Behinderter als Aktion T4. Hinzu kommen über eintausend weitere Opfer, arbeitsunfähige Häftlinge aus Konzentrationslagern, die im Rahmen der Sonderbehandlung 14f13 ermordet wurden.

Seit Ende der siebziger Jahre arbeiten auf dem Sonnenstein wieder Menschen unter geschützten Bedingungen. Aus dem Kreisrehabilitationszentrum Pirna ging 1991 die Werkstatt für Behinderte in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt hervor.

Nach Jahrzehnten des Verdrängens begann zu Beginn der neunziger Jahre die historische Aufarbeitung. Mit dem Grundstein für unseren neuen Werkstattkomplex im Jahr 2000 wurde der Grundstein für eine (Link) Gedenkstätte für die Opfer der NS-Euthanasie Pirna-Sonnenstein gelegt. Diese Entscheidung ermöglicht Gedenken und Geschichtsbewusstsein und zugleich Engagement für jene Mitmenschen, die in einer Gesellschaft des Wettbewerbs zu den Schwächeren gehören. Die modernen Pirnaer Werkstätten mit Arbeits- und Betreuungsangeboten sind unsere Antwort auf die besondere Verantwortung, die uns wie der ganzen Gesellschaft auferliegt.

 

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